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Banater
Kindertrachtengruppe Nürnberg
Kinder sind wie Samenkörner, werden sie in fruchtbare Erde gelegt, beginnen sie zu sprießen und bringen später reiche Frucht. Ohne die Einbeziehung der Kinder in das kulturelle Wirken eines Verbandes, ist dessen Überlebenschance äußerst gering, denn nur in seltenen Fällen gelingt es später, junge Erwachsene für etwas zu gewinnen, was sie als Kinder nur am Rande – wenn überhaupt – wahrnahmen. Aus dieser Sicht war 1993 die Initiative, eine Kindertrachtengruppe im „Nürnberger Kreisverband“ ins Leben zu rufen, eine ausgezeichnete.
Die Umsetzung sollte sich jedoch als recht schwierig
erweisen. Der Löwenanteil an Überzeugungsarbeit entfiel dabei nicht an die
kleinen Mädchen und Knaben sondern vielmehr an deren Eltern. So ein Mitwirken in
einem Trachtenverein ist in erster Linie mit Arbeit verbunden: Trachten müssen
zusammengesucht, genäht und fortlaufend den wachsenden Kindern angepasst werden,
die Kinder müssen einmal wöchentlich zur Probe gebracht werden, bei Auftritten
muss man immer dabei sein . . . da kommen bei manchen Eltern schon Zweifel auf,
ob das sich lohnt! Die Kinder selber waren und sind da leichter zu überzeugen
mit zu machen. Vielleicht bedarf es am Anfang ein wenig an Nachdruck. Wenn die
Kinder jedoch – und das sind sie schnell – untereinander bekannt sind, kommen
sie gerne zu den Proben und die paar Auftritte fallen dann kaum mehr in die
Waagschale.
Im Laufe der nun 8-jährigen Geschichte der
Nürnberger Kindertrachtengruppe gab es schon einen Generationenwechsel.
Die Kinder der ersten Stunde sind der Gruppe
schon entwachsen. Drei von den Erstmitgliedern sind in die „Nürnberger
Trachtengruppe“ gewechselt. Im Laufe der Jahre kamen immer wieder Neulinge
hinzu. So hat die Kindertrachtengruppe mittlerweile noch 9 aktive Kinder. Davon
6 Mädchen und 3 Knaben. Leider bevorzugen es die Knaben im Fußballverein zu
kicken, anstatt in der Trachtengruppe zu tanzen. Dass beides – Fußball und
Tanzen – unter einen Hut zu bringen sind, beweisen unsere drei Jungs, die alle
in weiteren Vereinen aktiv sind.
Das Wirkungsfeld der Kindertrachtengruppe ist beachtlich:
die Kinder ernteten schon auf so manchen Kulturveranstaltungen, auf manchem
Schwoweball, auf Nürnbergs Straßen, auf den Bühnen in Augsburg oder Landshut,
beim Patenverein in Langensendelbach Applaus. Aber mit besonderem Eifer sind
sie auf der Kirchweih dabei! Jährlich haben die Kinder ihr eigenes Vortänzerpaar
und die „ersten Geldherren" rezitieren den Kirchweihspruch gekonnt und mit
Enthusiasmus wie einst ihre Vorbilder im Banat. Dabei heißt Mitgliedschaft in
der Nürnberger Kindertrachtengruppe nicht nur: Proben, Tanzen, Auftritt.
Alljährlich wird ein Ausflug für die Kinder und deren Eltern organisiert.
Die Ziele waren immer äußerst attraktiv und
führten über Erlebnisparks wie Eurodisney Paris über Eichstätt und München bis
ins Banat. Das Ziel: Banat war mit Bedacht gewählt und der bisherige Höhepunkt
der Aktivitäten der Trachtengruppe.
Es wurde versucht, Schönes mit Nützlichem zu
verbinden, um den Kindern zu eigen wo die Ursprünge ihrer Trachten, ihrer Tänze,
ja, ihrer Eltern liegen. Keines der zur Zeit aktiven Kinder wurde im Banat
geboren. Will man diese Kinder einmal als Fortsetzer unserer Tradition gewinnen,
muss man zwangsläufig versuchen, sie mit den Wurzeln dieser Tradition bekannt zu
machen. Die Reise in das Banat war bestimmt ein Schritt in die richtige
Richtung.
Beinahe unmittelbar mit der Hebung aus der
Taufe der Kindertrachtengruppe, mit dem Ziel Volkstänze in schwäbischer Tracht
zu lernen, vorzuführen und zu pflegen, erhielt die Gruppe noch einen zweiten
Auftrag: kulturelle Mitgestaltung von Veranstaltungen innerhalb des
Kreisverbandes: Muttertagsfeier, Weihnachtsfeier. So wurden aus den kleinen
Tänzern auch noch kleine Schauspieler, die Gedichte und Szenetten vortrugen. Bei
all diesen Feiern sind diese Auftritte kaum mehr weg zu denken. Aus diesem
zweiten Auftrag entstand auch die Idee zur Mitwirkung der Kindertrachtengruppe
an der Erstellung der ersten CD des Nürnberger Kreisverbandes: Die Singgruppe
Sunnereen und der Liederkranz waren für den musikalischen Teil der CD zuständig,
während die Kinder mit Sprüchlein zum Jahresablauf aus dem Banat das Ganze
umrahmten und so dem Inhalt eine besondere Note gewährten.
In diesem Beitrag stehen keine Namen, weder
von den Kindern, noch von den Betreuern, noch von den Eltern; einfach aus dem
Grund, dass die Nürnberger Kindertrachtengruppe als existente Einheit im
Vordergrund stehen sollte und weil der Name Gruppe für ALLE stehen soll und
muss.
Es wäre wünschenswert, dass in der nächsten
Festschrift wieder ein Beitrag über die Nürnberger Kindertrachtengruppe
erscheint, jedoch nicht als Nachruf sondern wieder als Bericht. Damit dies
möglich wird müssten die jungen Eltern daran erinnert werden, dass ein
Verbundensein mit dem Volksstamm, dem sie noch angehören, auf die Dauer nur über
ihre Kinder geht. Ohne ein Morgen ist das Heute schon Geschichte! Vielmehr
sollten sie versuchen, die Werte auf welche sie als Banater stolz sind, und dies
berechtigt – dazu gehören auch Tracht und Tanz – ihren Kindern weiter zu
vermitteln. Das geschieht am eindrucksvollsten unter Gleichgesinnten, unter
Banater Schwaben.
Johann Burger
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