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Banater Trachtengruppe Nürnberg 1980–1994

 

Die Geburt unserer Jugendgruppe wurde am 30. Juni 1980 um 20.00 Uhr eingeleitet. Für diesen Abend wurden Banater Jugendliche in die Mauthalle eingeladen, um über die Gründung einer Gruppe zu beraten. Unterstützung fanden die 11 anwesenden Interessenten bei Dr. Ernst Christian (damaliger Bezirksvorsitzender) mit Gattin, Peter Krier (Landesvorsitzender Bayern), Stefan Jesch (damaliger Leiter der Banater Jugendgruppe Würzburg), Frau und Herr Meissner, die alle als „Geburtshelfer" bereit standen. Gruppenleiterin wurde Klothilde Michelbach.

Wir erhielten im Freizeitheim Bertha-von-Suttner-Straße einen Raum, den wir freitags abends nutzen durften. Mit Frau Meissner lernten wir die ersten Tänze ein, Herr Johann Molnar übte Volkslieder mit uns – hatten wir uns doch zum Ziel gesetzt, heimatliche Sitten und Bräuche zu pflegen. Eine wichtige Aufgabe war gleichzeitig, neu zugezogenen Jugendlichen aus dem Banat die Eingliederung zu erleichtern. Es gelang uns im Laufe der Jahre mehr als 200 junge Menschen in unseren Gruppenstunden zu begrüßen. Einige kamen nur wenige Male, andere bildeten einen festen Kern, der immer ansprechbar und einsatzbereit war. Schon kurze Zeit nach der Gründung übernahm Frau Meissner die Gruppenleitung, später Dieter Probst. Unsere Treffen verlegten wir 1982 ins Gemeinschaftshaus Langwasser, wo wir jedoch nur an zwei Freitagen im Monat proben konnten. An den verbleibenden Freitagen durften wir den Pfarrsaal „Maria am Hauch" für unsere Tanzproben nutzen. Die Tätigkeiten beschränkten sich bei weitem nicht auf Tanzproben. Wir nahmen teil an Seminaren zum Schulsystem, über die Lage auf dem Arbeitsmarkt, Integration von Aussiedlern; wir bestritten Tanz-Wettbewerbe, nahmen teil an Festzügen, an landsmannschaftlichen Treffen (Ulmer Treffen, Landes-Treffen, HOG-Treffen, Lenau-Treffen, Kirchweihen), „Tag der Heimat", Tag der offenen Tür, Siedler- und Sommerfesten. Dabei beschränkten wir uns nicht auf Nürnberg oder Bayern, sondern waren auch in Belgien und selbstverständlich im Banat mehrmals präsent. Musikalisch wurden wir von Franz Teichert sen. (die ersten Jahre) und Gerhard Becker auf dem Akkordeon begleitet. Wir konnten unsere Auftritte jahrelang erfolgreich meistern, da wir auch privat zur eingeschworenen Clique wurden, indem wir unzählige Wochenenden gemeinsam verbrachten: Bade- und Grillausflüge, Besichtigungsfahrten, Zelten, Schiffsausflüge, Basteln, Tiergarten-Besuch, Wandern und Bergwandern (die Erinnerung an die erste 1984 – als die Teilnehmer mit Taschen und Tüten unterwegs waren sorgt heute noch für nostalgischen Gesprächsstoff), Faschings-, Geburtstags-, Silvesterparties, Nikolaus- und Weihnachtsfeiern, Kegelabende, Theater-, Opern-, Kino- und Museumsbesuche.

Seit 1983 fanden die meisten Auftritte zusammen mit der Donauschwäbischen Trachtengruppe statt, die von Ignatz Serwo – bis 1987 – danach von Erika Hartmann geleitet wurde. Wir ergänzten uns gegenseitig, wenn es an Trachtenpaaren mangelte und organisierten gemeinsam Faschings-, Kirchweih- und Traubenbälle. Fasching 1985 glänzten die „Herren der Schöpfung" mit einem „Donauballett". Auf Walzerklänge von Strauß „schwebten" sie in ihren Tüll-Röckchen über das Parkett, um als „sterbende Känguruhs" das Publikum zu begeisterten Beifallsbekundungen anzuregen. In ähnlicher Weise wurde 1988 ein Bauchtanz einstudiert. Im selben Jahr fand das Bundestreffen der Banater Schwaben in Nürnberg statt, da die Messehallen in Ulm renoviert wurden. Unsere Gruppe – allen voran der Gruppenleiter – waren maßgeblich an der Organisation beteiligt: Fußball- und Handballturnier, Zelte, Verpflegung, Einlass, Ansage.

Mittlerweile nannten wir uns nicht mehr Jugend- sondern Trachtengruppe, da etliche Mitwirkende dem Jugendalter längst entwachsen waren.

Dass unsere Auftritte auch in der Öffentlichkeit Zuspruch fanden möchte ich an einem Beispiel dokumentieren: Die Firma Schöller veranstaltete jedes Jahr im August die Eröffnung der Lebkuchensaison in der Nürnberger Innenstadt. Wir wurden angesprochen, den Tag über auf einem Podium vor der Lorenzkirche den sogenannten „Bäckertanz" („Mühlradl" in historischen Kostümen) aufzuführen, und einige Male beim Umzug durch die Fußgängerzone dabei zu sein. Hunderte Zuschauer umringten uns bei jedem Auftritt - wir waren stolz darauf und durften etwa 6 Jahre lang dabei sein, bis Schöller diese Feier nicht mehr veranstaltete.

Die zahlreichen gemeinsamen Erlebnisse wurden in einem „Gruppenbuch" festgehalten und durch etliche Dias und Fotos dokumentiert. Über lange Zeit hinweg führten wir auch eine Anwesenheitsliste bei unseren Gruppenstunden und hielten fest, was an dem betreffenden Abend geprobt oder unternommen wurde, bzw. wo wir uns nach der Gruppenstunde noch zusammensetzten (wir mussten jeweils um 22.00 Uhr unseren Raum verlassen und die meisten von uns verlängerten den „angebrochenen" Abend in einer Wirtschaft).

1988 wurde auf Initiative von Dr. Ernst Christian eine neue Jugendtrachtengruppe gegründet, deren Leitung Ignatz Serwo übernahm. Auftritte bei den Kultur- und Heimattagen, den Aussiedlerkulturtagen, Pfarrfeste „Maria am Hauch", Festzüge, Treffen mit dem Patenverein Langensendelbach, beim Schwaben- und Kirchweihball bis hin zur Teilnahme an den musisch-kulturellen Bundesjugendspielen prägten den Jahresablauf der Gruppe.

Seit 1994 tritt die Jugendtrachtengruppe zusammen mit der Banater Trachtengruppe unter dem Namen „Banater Trachtengruppe Nürnberg" und der anfänglichen Leitung von Karin Weber auf. Die Donauschwäbische Trachtengruppe löste sich gleichzeitig auf.

 Edda Probst, Gründungsmitglied

 

Banater Trachtengruppe 1994–2001

Die Trachtengruppe organisierte unter der Leitung von Ewald Schuster, der gleichzeitig auch Musikant der Gruppe ist, die Kirchweihfeste und unterstützte den Kreisverband bei der Organisation der Schwabenbälle.

Die Gruppe begnügte sich auch nicht mehr nur mit traditionellem Volkstanz. Es wurden neue Tänze choreographiert. Von verschiedenen Tanzseminaren brachten die beiden Tanzleiterinnen Xenia Ottmüller und Elfriede Dietz neue Tänze mit. Es sind nicht nur Volkstänze, wie wir es bisher kannten.

Es werden jetzt auch fränkische und bayerische Tänze gebracht – und sogar ein bisschen international sind wir geworden und üben portugiesische, amerikanische und irische Tänze ein. Bisher zwar nur in den Gruppenstunden, aber wer weiß, vielleicht bietet sich irgendwann die Gelegenheit für eine kleine Sondereinlage. Seit der Eröffnung des Hauses der Heimat (HdH) haben wir unsere Gruppenstunden dorthin verlegt (der Termin ist geblieben – wie schon seit Jahren, immer noch Freitagabend). Das Haus eröffnete uns neue Möglichkeiten. Mit einer eigenen Kegelbahn im Keller kann man eine Gruppenstunde auch einmal anders gestalten. Auch die hauseigene Küche nutzten wir schon und machten kurzer Hand Langosch.

Ja, ja so schnell ist die Zeit vergangen und nun feierte die Trachtengruppe Nürnberg ihr 20-jähriges Jubiläum. Da dies ein besonderes Fest ist, haben sich die Organisatoren auch etwas Besonderes einfallen lassen. Am 14. Juli wurde eine Schifffahrt auf dem Main-Donau-Kanal veranstaltet, zu der alle ehemaligen Mitglieder der Gruppe eingeladen wurden; die „Bruckenauer Musikanten" spielten zum Tanz auf.

P. S. Ich möchte mich auf diesem Wege einmal bei all den fleißigen Muttis, Omas und Tanten gaaanz herzlich bedanken. Sie haben dafür gesorgt, dass die Mädels und Buben immer so stolz ihre Tracht tragen konnten. Denn diese Tracht ist ein Stück unserer Tradition, die wir aus dem Banat in unsere alte-neue Heimat mitgebracht haben. - DANKE!

 Elfriede Dietz